Lagerkosten

Wer die eigenen Lagerkosten nicht kennt, kann sie nicht steuern. Hier erfahren Sie, welche Kostenarten in die Lagerhaltung einfließen, wie Sie Lagerkosten berechnen und mit welchen Stellschrauben Sie Ihre Lagerhaltungskosten gezielt senken.

Was sind Lagerkosten und warum sind sie so wichtig?

Lagerkosten sind sämtliche Aufwendungen, die durch die Aufbewahrung von Waren, Rohstoffen oder Fertigprodukten in einem Lager entstehen, und umfassen fixe Lagerkosten wie Miete und Abschreibungen sowie variable Lagerkosten wie Personal, Energie und Kapitalbindung, die zusammen den wirtschaftlichen Aufwand der Lagerhaltung bestimmen.

Im Sprachgebrauch werden Lagerkosten und Lagerhaltungskosten häufig synonym verwendet. Beide Begriffe meinen die Gesamtheit aller Kosten, die mit der Vorhaltung von Beständen verbunden sind. Lagerkosten bilden in den meisten Unternehmen den größten Einzelposten innerhalb der Logistikkosten:

  • In der Industrie entfallen rund 50 Prozent der Logistikkosten auf die Lagerhaltung
  • Im Groß- und Einzelhandel liegt der Anteil sogar bei 60 bis 80 Prozent
  • Der durchschnittliche Lagerkostensatz bewegt sich branchenübergreifend zwischen 15 und 35 Prozent des Lagerwerts

Genau deshalb ist die transparente Erfassung und regelmäßige Berechnung der Lagerkosten so entscheidend. Nur wer weiß, wo die Kosten entstehen, kann gezielt optimieren und die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken.

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    Fixe und variable Lagerkosten im Überblick

    Bei der Berechnung von Lagerkosten ist die Unterscheidung zwischen fixen und variablen Lagerkosten grundlegend. Fixe Lagerkosten fallen unabhängig vom Lagerbestand an, variable Lagerkosten steigen oder sinken mit der Menge der eingelagerten Waren.

    Fixe Lagerkosten

    Zu den fixen Lagerkosten zählen unter anderem:

    • Miete oder Pacht für die Lagerfläche
    • Abschreibungen auf Regalsysteme und Fördertechnik
    • Grundversicherungen für Gebäude und Einrichtung
    • Grundgebühren für IT-Systeme und Lagerverwaltungssoftware

    Diese Kosten bleiben konstant, egal ob das Lager zu 30 oder 90 Prozent ausgelastet ist. In Deutschland liegt die durchschnittliche Spitzenmiete für moderne Logistikhallen aktuell bei rund 7,60 EUR pro Quadratmeter und Monat.

    Variable Lagerkosten

    Variable Lagerkosten verändern sich mit dem Lagerumfang und der Aktivität im Lager:

    • Personalkosten für Kommissionierung und Lagerverwaltung
    • Energiekosten für Beleuchtung, Heizung und Kühlung
    • Verbrauchsmaterial wie Verpackung und Etiketten
    • Wartung und Instandhaltung von Geräten und Fördermitteln

    Personalkosten sind mit 40 bis 55 Prozent der größte Einzelposten unter den Lagerhaltungskosten.

    Kapitalbindungskosten und Risikokosten

    Eine oft unterschätzte Komponente der Lagerkosten sind die Kapitalbindungskosten. Jeder Euro, der in Lagerbeständen gebunden ist, steht nicht für Investitionen oder andere Geschäftszwecke zur Verfügung. Üblich ist eine Kalkulation mit 5 Prozent Zinssatz auf den durchschnittlichen Lagerwert. Hinzu kommen Risikokosten durch Schwund, Verderb, Beschädigung oder Überalterung der Ware.

    Kostenart Typ Beispiele Typischer Anteil
    Personalkosten variabel Kommissionierer, Lagerverwaltung 40 bis 55 %
    Raumkosten fix Miete, Reinigung, Grundsteuer 20 bis 26 %
    Abschreibungen fix Regale, Stapler, Fördertechnik 6 bis 14 %
    Kapitalbindung variabel Zinskosten auf gebundenes Kapital 5 bis 12 %
    Versicherungen fix Waren-, Gebäudeversicherung 2 bis 9 %
    Sonstige Kosten variabel Energie, EDV, Verpackung 3 bis 8 %

    Lagerkosten berechnen mit Formel und Beispiel

    Die Berechnung der Lagerkosten erfolgt in zwei Schritten. Zunächst werden alle Kostenarten summiert, anschließend wird der Lagerkostensatz als Prozentwert ermittelt.

    Berechnung der Lagerkosten in Euro

    Die Gesamtlagerkosten ergeben sich aus der Addition aller Einzelpositionen:

    Lagerkosten gesamt = Raumkosten + Personalkosten + Kapitalbindungskosten + Abschreibungen + Versicherungen + sonstige Kosten

    Lagerkostensatz berechnen

    Der Lagerkostensatz setzt die gesamten Lagerkosten ins Verhältnis zum durchschnittlichen Lagerwert:

    Lagerkostensatz (%) = Lagerkosten gesamt ÷ durchschnittlicher Lagerwert × 100

    Durchschnittliche Lagerkosten und durchschnittlicher Lagerwert ermitteln

    Den durchschnittlichen Lagerwert berechnen Sie wie folgt:

    Durchschnittlicher Lagerwert = (Anfangsbestand in EUR + Endbestand in EUR) ÷ 2

    Rechenbeispiel: Ein Handelsunternehmen hat folgende jährliche Lagerhaltungskosten:

    Position Betrag
    Personalkosten (3 Lagermitarbeiter) 18.000 EUR
    Raumkosten (Miete, Energie, Reinigung) 10.500 EUR
    Abschreibungen (Regale, Stapler) 6.200 EUR
    Kapitalbindung (5 % auf Ø Lagerwert) 5.000 EUR
    Versicherungen 2.400 EUR
    Sonstige Kosten (EDV, Verpackung) 1.900 EUR
    Lagerkosten gesamt 44.000 EUR

    Der Lagerbestand beträgt zum Jahresanfang 180.000 EUR und zum Jahresende 220.000 EUR. Der durchschnittliche Lagerwert liegt damit bei 200.000 EUR.

    Lagerkostensatz = 44.000 ÷ 200.000 × 100 = 22 Prozent

    Damit zeigt der Lagerkostensatz Optimierungspotenzial, da der Richtwert bei 15 Prozent oder darunter liegt.

    Lagerkostensatz Bewertung
    Unter 15 % Gut optimiert
    15 bis 25 % Branchenüblich, Optimierungspotenzial vorhanden
    Über 25 % Deutlicher Handlungsbedarf

    Welche Faktoren die Lagerkosten beeinflussen

    Mehrere Stellgrößen bestimmen, wie hoch Ihre Lagerkosten tatsächlich ausfallen:

    • Lagerstandort: Zwischen München mit rund 10,50 EUR pro Quadratmeter und sekundären Standorten mit 4,00 bis 5,50 EUR pro Quadratmeter liegen erhebliche Unterschiede. Eine zentrale Lage, etwa im Rhein-Main-Gebiet, bietet kurze Transportwege bei moderateren Flächenpreisen.
    • Bestandshöhe: Je höher der Lagerbestand, desto mehr Kapital ist gebunden. Eine hohe Umschlagshäufigkeit reduziert die durchschnittlichen Lagerkosten pro Artikel deutlich.
    • Automatisierungsgrad: Automatisierte Lager haben höhere Abschreibungen, aber niedrigere Personalkosten pro bewegter Einheit. Das Verhältnis von fixen zu variablen Lagerkosten verschiebt sich.
    • Saisonale Schwankungen: Lagerflächen sind in Spitzenzeiten voll ausgelastet und in ruhigen Phasen teilweise leer. Die fixen Lagerkosten laufen in beiden Fällen weiter.
    • Sortimentskomplexität: Ein breites Sortiment mit vielen SKUs erfordert mehr Lagerfläche, aufwändigere Kommissionierung und höhere Verwaltungskosten als ein schlankes Produktportfolio.

    Lagerkosten senken mit den richtigen Stellschrauben

    Bestandsoptimierung und Kennzahlensteuerung

    Der wirksamste Hebel zur Senkung von Lagerkosten ist die Reduzierung des durchschnittlichen Lagerbestands ohne Einbußen bei der Lieferfähigkeit. Folgende Maßnahmen haben sich in der Praxis bewährt:

    • Durchführung einer ABC-Analyse, um Artikel mit dem größten Anteil am Lagerwert zu identifizieren
    • Regelmäßiges Monitoring von Lagerkennzahlen wie Lagerkostensatz, Umschlagshäufigkeit und durchschnittlicher Lagerdauer
    • Reduzierung von Überbeständen durch bedarfsgerechte Nachbestellung
    • Einführung von FIFO- oder FEFO-Prinzipien, um Verderb und Überalterung zu vermeiden

    Fulfillment-Outsourcing als Alternative zum Eigenlager

    Für viele Unternehmen ist die Auslagerung der Lagerhaltung an einen Fulfillment-Dienstleister eine wirtschaftliche Alternative zum Eigenlager. Statt fixer Lagerkosten für Miete, Personal und Infrastruktur zahlen Sie variable Kosten pro Palette und Monat.

    Bei einem externen Dienstleister wie Lufapak profitieren Sie von Skaleneffekten, die ein einzelnes Unternehmen allein nicht erreichen kann. Über 20.000 Quadratmeter Lager- und Logistikfläche in Neuwied, ISO 9001 zertifizierte Prozesse und eine flexible Skalierung nach Bedarf machen fixe Lagerkosten zu planbaren, variablen Kosten. Wenn Sie Ihre Lagerhaltungskosten senken und gleichzeitig die Lieferqualität verbessern möchten, sprechen Sie uns an.

    Eigenlager Fulfillment-Outsourcing
    Hohe fixe Lagerkosten (Miete, Personal, Infrastruktur) Variable Kosten pro Palette und Monat
    Eigene Investition in Lagerausstattung nötig Nutzung bestehender Infrastruktur
    Kapazität bei Schwankungen schwer anpassbar Flexible Skalierung nach Bedarf
    Volle Kontrolle über alle Prozesse Professionelle Prozesse durch spezialisierten Dienstleister

    Häufige Fragen zu Lagerkosten

    Was zählt alles zu den Lagerkosten?

    Zu den Lagerkosten zählen Raumkosten wie Miete und Energie, Personalkosten für Lagermitarbeiter, Abschreibungen auf Lagereinrichtung und Fördertechnik, Kapitalbindungskosten auf den gebundenen Warenbestand, Versicherungen sowie Risikokosten durch Schwund, Verderb oder Überalterung.

    Wie kann man Lagerkosten berechnen?

    Die Berechnung der Lagerkosten erfolgt durch Addition aller lagerbezogenen Kostenarten. Den Lagerkostensatz berechnen Sie, indem Sie die gesamten Lagerkosten durch den durchschnittlichen Lagerwert teilen und mit 100 multiplizieren. Das Ergebnis zeigt die Lagerkosten als Prozentsatz des Warenwerts.

    Was ist der Unterschied zwischen fixen und variablen Lagerkosten?

    Fixe Lagerkosten wie Miete, Abschreibungen und Versicherungen fallen unabhängig von der Lagermenge an. Variable Lagerkosten wie Personal, Energie und Verpackungsmaterial steigen oder sinken mit der Menge der eingelagerten und bewegten Waren.

    Wie lassen sich Lagerkosten im E-Commerce senken?

    Effektive Maßnahmen sind die Bestandsoptimierung durch Kennzahlensteuerung, die Reduzierung von Überbeständen, die Nutzung von Shared Warehousing oder das Outsourcing an einen Fulfillment-Dienstleister. Durch variable Abrechnung pro Palette oder Auftrag werden fixe Lagerhaltungskosten in planbare, mengenabhängige Kosten umgewandelt.

    Was ist der Unterschied zwischen Lagerkosten und Logistikkosten?

    Lagerkosten sind ein Teilbereich der Logistikkosten. Während Lagerkosten nur die Aufwendungen für die Aufbewahrung von Waren umfassen, beinhalten Logistikkosten zusätzlich Transport, Verpackung, Kommissionierung, IT-Systeme und administrative Aufwendungen der gesamten Lieferkette.

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